Was sind Tellergeschichten?

„people dont’t buy what you do, people buy why you do it“ (Simon Sinek)

Die Idee zu den Tellergeschichten ist aus einem Gespräch beim Mittagessen entstanden. Wir saßen bei der ersten wärmenden Frühlingssonne bei Ali, einem türkischen Mittagsrestaurant am Münchner Großmarkt. Der Hauptansturm war vorbei und Ali und seine Frau, sie verschleiert und in Turnschuhen, saßen mit Freunden am Nebentisch. Sie tranken Tee und plauderten munter vor sich hin. Passanten wurden freundlich gegrüßt, mancher setzte sich auf einen kurzen Moment dazu, um dann seinen Alltag fortzusetzen.

Wir fragten uns: Was macht für uns eine gute Gastronomie, jenseits von anonymen Restaurants und eingekauften Gastronomiekonzepten aus? Wo fühlt man sich besonders wohl und warum? Die Antwort war relativ schnell gefunden:

Die Menschen, die die Art von Restaurants betreiben, in denen wir uns gut fühlen,  scheinen das „wofür“ ihres Tuns zu kennen. Ein „wofür“, das nicht nur um die Vermehrung des persönlichen Wohlstandes kreist, sondern einen höheren Sinn vermuten lässt.

Mit den Tellergeschichten begeben wir uns auf Spurensuche nach diesem „wofür“. Das verbindende unsere Protagonisten ist, dass sie das, was sie tun, mit Herzblut machen. Sie bieten Essen von guter Qualität, selbst zubereitet, immer frisch. Damit sind sie Botschafter einer guten, ganzheitlich gesunden Esskultur. Alles in allem geben sie den Menschen mehr als nur gutes Essen. Sie ziehen ihre Gäste förmlich an und sind tägliche Anlaufstelle für den sozialen Austausch untereinander.

So wie Khodur, der Libanese, der in München Sendling hochwertiges und authentisches libanesisches Essen anbietet. Seine beiden kleinen Restaurants sind meist bis auf den letzten Platz voll. Khodur ist zurückhaltend, aber trotzdem hat man das Gefühl, bei ihm immer willkommen zu sein. Vorübergehende Nachbarn grüßt er meist mit Handschlag und hält mit ihnen einen Plausch, auch wenn die Schlange der Kunden, die für einen der köstlichen Falafel anstehen, dabei länger wird. Sein „ wofür“ ist es, dem Fast-food-Essen à la „fettiger Burger und triefenden Pommes“ eine gesunde Alternative entgegenzusetzen. Oder Erwin, der seit fast 40 Jahren biologische Lebensmittel verkauft. Öffnet man die Tür zu Erwins Laden, erklingt eine Glocke, die einem das Gefühl gibt, dass die Uhren hier anders ticken. Erwin schert sich nicht um seine Ladeneinrichtung, die aus vergangenen Zeiten zu stammen scheint. Den Großteil seiner verderblichen Ware verkauft er in gebrauchten Kühltruhen. An der Theke kommt man ins Gespräch. Erwin kennt viele im Viertel und im Viertel kennt man Erwin. Eine Sendlinger Institution. Erwins „wofür“ ist es, möglichst vielen Menschen gesundes biologisches Essen zum Wohle der Umwelt zu ermöglichen.

Kennst du Tellergeschichten?

Die porträtierten Gastronomen kennen wir entweder persönlich oder sie werden uns aus unserem Freundeskreis und Netzwerk empfohlen. Wenn Du, lieber Leser, liebe Leserin, einen Gastronomen kennst, der seine Sache mit Herzblut betreibt und so einen Ort schafft, an dem die Menschen „gut an ihren Plätzen leben“, dann kontaktiere uns unter erzaehlmir@teller-geschichten.de

Zur Form

Die „Geschichten“ werden in Form von biografischen Stationen erzählt. Dabei stellen wir den Porträtierten die Frage, was sie zu denen hat werden lassen, die sie jetzt sind. Welche Ereignisse haben dabei eine Rolle gespielt? Welche Vorbilder hatten oder haben sie? Welche Zufälle bzw. Fügungen hat es auf ihrem bisherigen Lebensweg gegeben?

Die lakonischen Beiträge sind in unseren Augen vielsagender als so manche ausufernde Geschichte. Sie haben eine besondere Poesie und lassen der Fantasie des Lesers / der Leserin Raum für das Dazwischen.

Bei dem Format, biografische Stationen des Lebens zusammenzustellen, haben wir uns inspirieren lassen von dem wunderbaren Projekt des Züricher Journalisten Mats Staub (Zehn wichtigste Ereignisse meines Lebens).